Esperanto befreit Englisch


Was ist der Unterschied zwischen Weltsprache und internationaler Sprache?

Weltsprachen gibt es mehrere. Die wichtigste ist momentan sicher Englisch. Sie wird wohl auch für internationale Kommunikation benutzt. Aber diese Rolle kann eine internationale Sprache besser spielen. Englisch ist eine nationale Sprache und hat zumindest den American Way Of Life mit im Gepäck. Außerdem ist sie für Menschen schwer zu lernen, die sie nicht als Muttersprache mitbekamen. Englische Muttersprachler sind dem Rest der Welt zumindest wirtschaftlich überlegen, da sie sich um Fremdsprachen umso weniger bemühen müssen, je weiter verbreitet Englisch als Weltsprache ist. In der Zeit, in der sich der Rest der Welt um das Englische als Fremdsprache bemüht, können sich Englischsprachler Wettbewerbsvorteile erwirtschaften.

Die internationale Sprache unterscheidet sich im Wesentlichen von den Weltsprachen, indem sie für grenzüberschreitende Kommunikation allen Menschen gleich leicht zugänglich, und auch nicht mit einer nationalen Kultur befrachtet ist. Sie ist geschickterweise eine intelligente Fortentwicklung der früheren Weltsprachen und befreit von einem Ballast, der die Sprache nicht ausdrucksstärker, sondern nur schwer zu lernen machen würde.

Als Bewohner eines Kontinents mit vielen Sprachen fällt mir die Vorstellung schwer, wie ich mir als Englischmuttersprachler vorkäme. Aber ich glaube, denen muss doch mulmig werden, wie sich die Welt der Sprache bemächtigt, die ihr Identifikationsträger ist. Die angloamerikanische Kultur ist bei Weitem nicht international.

Ich habe einmal von einem Amerikaner gehört, der versuchte einem Gespräch zu folgen, das ein Däne und ein Deutscher auf Englisch miteinander führten: „In which language are they talking?“ Tja, wer keine Fremdsprachenkenntnisse hat, ist im internationalen Austausch im Nachteil. Dies ist mit ein Grund, weshalb etliche Amerikaner Esperanto lernen und anwenden. In mehr als 120 Jahren hat sich Esperanto als internationale Sprache bewährt und eine internationale Kultur entwickelt, an der alle gleichberechtigt teilhaben können.

Esperanto befreit die weltweit verbreitete Sprache Englisch von ihrer Rolle, die ihr nicht zukommt. Englisch ist mit Hegemonie verknüpft. Was bin ich froh, dass am deutschen Wesen die Welt nicht mehr genesen soll – nur traurig, dass für diese Lerneinheit ein verlorener Weltkrieg nötig war. Demokratisches Verhalten wird im internationalen Austausch nicht mit einer Weltsprache verwirklicht, sondern mit einer internationalen. Internationale Sprachen gibt es mehrere, aber Esperanto hat die meisten Sprecher und bewiesen, dass es als internationale Sprache am ehesten taugt.

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Warum ist Esperanto nicht so verbreitet wie Englisch?


„Esperanto? Ja, gibt es denn das noch? Esperanto wollte doch mal Weltsprache werden. Wieso spricht das denn keiner?“ Solche und ähnliche Sätze bekommen wir Esperantosprecher öfter zu hören. Das klingt abwertend, zumal es oft gleichzeitig als Urteil rüberkommt: „Ihr Esperantos spinnt ja. Englisch ist doch längst die Weltsprache, was soll denn da noch eine Sprache, die sich nicht durchgesetzt hat und sich auch nicht durchsetzen wird.“

Warum spinnen Menschen seit mehr als 100 Jahren und hören damit noch immer nicht auf?

Englisch lernen wir in der Schule nicht freiwillig, sondern weil es Pflicht ist, wenn wir weiterführende Schulen besuchen wollen/sollen. Nach der Schule bemühen wir uns weiter um Englisch für den Fall, dass es für die Arbeit benötigt wird. Schließlich kann es in Zeiten der Globalisierung sein, dass das Unternehmen, in dem wir arbeiten, von einem Global Player übernommen wird. Englisch wurde in Zeiten des British Commonwealth vielen Völkern aufgezwungen und ist deswegen weit verbreitet. Heute sind die USA die führende Macht in der Welt. Schon dieser Umstand ist prägend. Die meisten Menschen orientieren sich an den Menschen, die mächtiger sind als sie selbst.

Es gibt kein Volk, das Esperanto als Muttersprache spricht. Esperanto ist auch nirgends Staatssprache. Esperantosprecher sind über die ganze Welt verteilt, können sich also auch nur schwer vereinen, denn sie haben keine nationale oder anderweitige Klammer, nur ihre gemeinsame Sprache und die Idee des Autors des Esperanto, man könne mit der Sprache dem Frieden zwischen den Völkern dienen. Es gibt kaum Unterstützung von Mächtigen, wenn es um den Erhalt des Esperanto geht. Jedenfalls haben die wirtschaftlich und politisch Mächtigen keine Interesse an Bürgern, die im Ausland Freunde haben: Sie lassen sich nicht so leicht aufeinander hetzen.

Fremdsprachen zu lernen ist mühselig, wenn es etnische Sprachen sind. Das nehmen nur wenige freiwillig auf sich. Es kann sich auch kaum jemand eine „normale“ Sprache vorstellen, die zu lernen Freunde machen soll. Mit fremdländischen Menschen mühelos in Kontakt treten zu können, kann man sich angesichts der Schwierigkeiten, die man mit dem Englisch sprechen hatte, erst recht nicht vorstellen.

Esperanto lernt man freiwillig. Diese Mühe ist auf den ersten Blick eine Investition ins Ungewisse. Ich bin die erste Hälfte des Wegs zum Anderen gegangen. Woher soll ich wissen, dass der fremde Mensch die andere Hälfte des Wegs gehen wird? Und wenn dieser andere Mensch auch so ein „Spinner“ wie ich ist? Bevor man sich entschließt, Esperanto zu lernen, muss man also zunächst Ängste überwinden und imstande sein, ohne äußeren Druck etwas zu lernen, ohne sicher sein zu können, ob sich die Mühe lohnen wird. Bevor man sich solchen Zweifeln aussetzt, killt man lieber die Angelegenheit mit Aussprüchen wie oben zitiert.

Wenn man als Esperantosprecher dann im Ausland seine positiven Erfahrungen gesammelt hat, will man in der Heimat seine Begeisterung teilen. Dabei kommen dann die oben genannten Sprüche. Da vergeht einem bald das Interesse, andere Menschen von Esperanto überzeugen zu wollen. Es sind daher nur wenige, die sich für die Verbreitung des Esperanto einsetzen. Manch einer kommt dann auch schon mal missionarisch daher, was den Eindruck nahelegt, Esperanto sei eine Sekte oder so etwas.

Für Esperanto einzutreten ist eine Gratwanderung: Man riskiert, deswegen verspottet zu werden, man hat auch kein Beispiel, mit dem man die Idee des Esperanto leicht verständlich machen könnte. Die Idee des Esperanto erscheint den meisten mangels Beispiel als utopisch. Esperanto ist keine Utopie, es ist gelebte internationale Kultur. Das glaubt niemand, bis er – warum auch immer – Esperanto lernt und es anwendet.

„Esperanto lerne ich vielleicht, wenn es ich durchgesetzt hat.“ Tja, wenn der eine den anderen vorschickt, dann wird das auch nichts mit dem „Durchsetzen“. Wenn sich Esperanto „durchgesetzt“ hat, wird es banal sein, Esperanto zu können. Jetzt besteht noch die Möglichkeit, etwas „exotisches“ zu machen.